Vor dem Gottesdienst erwähnte der Apostel in der Sakristei das Gleichnis der 99 Schafe und des einen „verlorenen“ Schafes. Er wies darauf hin, wie wichtig es Jesus immer war, sich um das eine Schaf zu kümmern. Die Lehre Jesu war stets auf die Schwachen ausgerichtet – darauf, sich ihrer anzunehmen und sie nicht einfach zu sammeln, in eine „Schublade“ zu legen und dort versorgt zu wissen.
Zu Beginn des Gottesdienstes überbrachte der Apostel herzliche Grüsse des Stammapostels, des Bezirksapostels, aller Apostel und Bischöfe des Bezirksapostelbereichs sowie des Gemeindevorstehers, der sich in den Ferien befindet.
Kraft für den weiten Weg
Der Apostel wies im Gottesdienst darauf hin, dass es die Pflicht eines jeden Christen sei, das Wort Gottes aufzunehmen. Die Geschichte von Elia am Horeb zeigt, wie auch er von Höhen und Tiefen geprägt war. Er wollte aufgeben, ja sogar sterben und sich von Gott entfernen – Empfindungen, die auch aus dem eigenen Leben bekannt sind. Manchmal fehlt die Kraft, und es entsteht die Versuchung, sich von Gott zu entfernen. Der Glaube weist jedoch einen anderen Weg. Der Apostel empfahl, das ganze Kapitel über Elia zu lesen, und verwies auf die Bibelstelle: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ In einer neueren französischen Übersetzung heisst es: „Habe keine Angst, glaube nur!“ Keine Angst haben, sondern die Verbindung zu Gott suchen – im Gottesdienst, in den Sakramenten und im Heiligen Abendmahl. Manchmal braucht es viel Glauben und Gebet, um bestehen zu können.
In welche Richtung geht der Mensch? Wird die Hilfe Gottes gesucht? Gemeinsam wird darum gebetet, dass Hindernisse weggenommen werden. Gott hört die Gebete, denn er möchte von den Fesseln des Irdischen befreien.
Der Honig und der Bär
Zur Verdeutlichung schilderte der Apostel folgende Geschichte: Ein Dorf wollte einen Bären erlegen. Man strich etwas Honig auf den Boden und hängte einen Stein an einem Seil darüber. Als der Bär kam, schob er den Stein mit dem Kopf zur Seite, um vom Honig zu lecken. Der Stein pendelte zurück und drängte ihn sanft weg. Beim zweiten Mal stiess er stärker dagegen. Beim dritten Mal schubste er so heftig, dass der zurückpendelnde Stein ihn am Kopf traf und er bewusstlos wurde. Beim Mitdienen nahm Evangelist Marcel Wüthrich diese Geschichte nochmals auf und stellte die Frage, wie glaubensstark der Mensch ist. Wie schnell geschieht es, dass man „glaubensohnmächtig“ wird? Reicht ein wenig Honig oder etwas Süsses, um vom Glauben abzulenken? Der Weg zu Gott ist nicht weit – anders als bei Elia, der weit durch die Wüste gehen musste. Die Nahrung für diesen Weg kommt von Gott selbst.
Höhen und Tiefen – und die Kraft der Vergebung
Priester Tilo Wolff wies darauf hin, warum der himmlische Vater es zulässt, dass der Mensch nicht auf dauerhaften himmlischen Höhen bleibt: weil das Leben auf Erden stattfindet. Höhen und Tiefen gehören dazu – wie bei Elia. Gleichzeitig darf die Kraft des himmlischen Vaters angenommen werden. Als Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl unterstrich der Apostel, dass auch die Sündenvergebung eine Quelle der Kraft ist. Hier wird die Kette der Sünde gelöst, damit Freiheit möglich wird. Diese angebotene Freiheit und der Frieden dürfen angenommen werden.
Eingangslied: GB 118a – O wie freun wir uns der Stunde
Bibelwort: 1. Könige 19,7 „Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“
Chorlied: CM 124 – Still und demutsvoll
Text und Bilder: RK