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Der neue Bischof für den Bezirk Basel im Interview (Teil 1/2)

31.01.2022

Seit dem 1. Januar 2022 ist Bischof Reto Keller aus der Region Zürich für die Bezirke Basel, Mittelland, Schaffhausen und Winterthur zuständig. Er unterstützt Apostel Thomas Deubel und löst Bischof Thomas Wihler ab, der neu nebst den Berner Bezirken auch die Romandie betreuen wird. Wer ist unser neuer Bischof, der zuvor die Ostschweiz mit den Bezirken Graubünden, St. Gallen und Wil betreute?

 
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Redaktion Bezirks-Website Basel: Lieber Bischof, wie würdest Du Dich charakterisieren und welche Werte sind Dir wichtig?

«Diese Frage habe ich in meiner früheren Tätigkeit im Personalbereich unzählige Male gestellt. Nun stelle ich fest, wie schwierig sie zu beantworten ist. Ich würde mich als weltoffen, kulturell interessiert, kommunikativ und in der Entscheidungsfindung pragmatisch beschreiben. Dabei analysiere ich nicht immer alles bis ins letzte Detail, sondern höre durchaus auch einmal auf meine innere Stimme und mein Bauchgefühl. Besonderen Wert lege ich auf einen respektvollen Umgang untereinander und was ich schlecht ertrage, sind unnötiges Machtgehabe und offensichtliche Ungerechtigkeiten. Wir sollten uns auch immer bewusst sein, dass Gott über allem steht und weiterhin den Dingen seinen Lauf gibt. Demut und Ehrfurcht vor Gott ist ohnehin eine gute Basis fürs Leben. Wir müssen uns dazu als Menschen jedoch nicht künstlich klein machen, sondern Gott gross. Den geschenkten Gaben und erarbeiteten Fähigkeiten dürfen wir uns bewusst sein, und auch über Gelungenes darf man sich freuen. Menschen mit einem tiefen Selbstwertgefühl versuche ich aufzubauen. Selbstverständlich haben wir immer auch einen kritischen Blick auf die eigenen Werke, sollten es dabei aber nicht übertreiben. Und noch etwas finde ich sehr bedeutsam. Wir sollten vermehrt den Blick auf das Vorhandene richten und nicht auf den Mangel. Es wird mir manchmal zu viel geklagt oder gar gejammert in dieser Welt, durchaus auch in unserer Kirche. Jetzt muss ich aber aufpassen, nicht ins Predigen zu geraten…»


Wenn Dich jemand nach dem aktuellen Beruf fragt, was antwortest Du?

Seit April 2018 leite ich als Verwaltungsleiter die Administration des Bezirksapostelbereichs Schweiz mit den rund 440 Gemeinden in den 15 betreuten Ländern (Gebietskirchen). Meinen Amtsauftrag als Bischof führe ich weitgehend ehrenamtlich aus. In der Realität lassen sich meine beruflichen und geistlichen Aufgaben aber nicht immer voneinander trennen.


Wie muss man sich Dein Aufgabengebiet vorstellen?

Als Verwaltungsleiter bin ich mit rund 50 Mitarbeitenden in der Schweiz und in den betreuten Ländern für alle organisatorischen, finanziellen, baulichen, rechtlichen, kommunikativen, personellen und administrativen Aspekte verantwortlich. Entsprechend kommen da vielschichtige Themen zusammen. Meine Arbeit ist mit vielen Gesprächen, Sitzungen und Reisen in die betreuten Länder verbunden. In etlichen Ländern wirke ich als Mitglied im Vorstand und in weiteren Gremien mit. So z.B. auch als Stiftungsrat in der Stiftung NAK-Diakonia. In meiner Aufgabe als Bischof unterstütze ich in erster Linie meinen Apostel in der Leitung seines grossen Bereiches. Ich suche die Nähe zu den Bezirks- und Gemeindevorstehern, leiste Seelsorge und halte Gottesdienste. Ein besonderer Akzent liegt zudem in der Arbeit in schweizerischen und europäischen Arbeitsgruppen. Seit Jahren darf ich als Leiter der Arbeitsgruppe Unterweisung in der Ausbildung und Förderung der Amtsträger mitwirken. Das macht mir grosse Freude und hat Bezug zu meinem früheren Beruf. Über Langeweile kann ich mich also nicht beklagen.


Bischof sein bedeutet für mich...
… in erster Linie als priesterlicher Amtsträger Seelsorger zu sein und meinen Apostel im anvertrauten Bereich nach Kräften zu unterstützen.


Wo bist Du aufgewachsen und wie hast Du die Kinder- und Jugendjahre erlebt?

Aufgewachsen bin ich in Effretikon, einer Stadt zwischen Zürich und Winterthur. Ich habe eine sehr schöne Kinder- und Jugendzeit erlebt. Meine Eltern waren und sind mir bis heute grosse Vorbilder, denen ich auch mein Glaubensfundament verdanke. Meinen Vater (Apostel Paul Keller) erlebte ich als sehr weise und tolerant; er hat auch den Respekt vor Andersgläubigen vorgelebt. Das hat wohl damit zu tun, dass mein Grossvater nicht neuapostolisch war. Er wurde durch meinen Vater im Alter von über 70 Jahren noch in unsere Kirche aufgenommen und danach versiegelt. Ich habe zwei ältere Brüder, was mir als Kind einiges erleichterte. Ab und zu waren sie auf dem Schulhof meine Beschützer oder zumindest verwies ich bei Bedarf auf sie. Nun, zumeist liessen sie mich die Dinge auch selber ausbaden, wenn ich mich mal wieder in die Nesseln gesetzt hatte. Die Jugendzeit in der Kirche war freudig und unbeschwert. Wir haben sehr vieles miteinander unternommen und die Jugendchorproben mit über 100 Sängerinnen und Sängern in der Kirche Winterthur war ein echtes Highlight. Ein besonderes Erleben waren die anschliessenden Besuche in einem Ausflugsrestaurant über Winterthur, dem Goldenberg. Ich erinnere mich an einen Adventsabend. Wir trafen uns dort nach der Jugendchorprobe und füllten das Restaurant bis fast auf den letzten Platz. Dann kamen Gläubige der Heilsarmee herein, um wie üblich in der Adventszeit, zu singen und Spenden zu sammeln. Wir hörten brav zu und haben selbstverständlich auch gespendet. Dann machten wir ihnen noch ein besonderes Geschenk: verteilt über das ganze Restaurant stimmten wir, wohl über 80 Jugendliche, gemeinsam das Lied «Der Herr ist mein Licht…» an. Die Vertreter der Heilsarmee, aber auch der Pächter des Restaurants staunten nicht schlecht.


Was tust Du in Deiner Freizeit?

Die freien Stunden verbringe ich gerne in der Natur. Unsere betagte, aber noch fitte Hündin «China» der Rasse Eurasier zwingt mich und meine Frau ohnehin nach draussen. Unverkennbar habe ich etwas zu viele Kilos auf den Rippen, was zeigt, dass ich es durchaus auch kulinarisch zu geniessen weiss. Ich reise sehr gerne und besuche nach Möglichkeit auch einmal ein Konzert. In den wärmeren Monaten spiele ich ab und zu eine Runde Golf, wobei es meistens nur für 9 Löcher reicht. Eigentlich lese ich gerne, doch stapeln sich derzeit die noch ungelesenen Bücher. Am liebsten sind mir aber die Momente zu zweit mit meiner Frau Marina. Es braucht dazu einiges an Planung und ich bin ihr für ihr Verständnis und ihre Flexibilität extrem dankbar.


Glaube ist für mich...
...Halt, Freude, Sicherheit und Hoffnung auf ein ewiges Leben dank dem Opfer Jesu Christi.


Warum glaubst Du eigentlich an Gott?

Schon als Kind war ich der festen Überzeugung, dass es Gott gibt; das stellte ich nie in Frage. Gottes Grösse und seine Liebe für uns Menschen sind doch unbeschreiblich.


Teil 2 des Interviews folgt in Kürze auf dieser Website.

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Interview: Team Kommunikation Bezirk Basel
Fotos: Privat