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Der neue Bischof für den Bezirk Basel im Interview (Teil 2/2)

05.02.2022

Ein Zürcher Bischof für den Bezirk Basel. Reto Keller über Freuden und Sorgen, den Wandel der Neuapostolischen Kirche im Umgang mit anderen Kirchen und wie er den Lieben Gott im Alltag erlebt.

 
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Lieber Bischof Reto, wie und wann erlebst Du den Lieben Gott?

Durchaus auch ganz im Stillen und im Alltag. Wenn ich nur schon die von Gott ermöglichte natürliche und geistliche Schöpfung betrachte, stockt mir manchmal der Atem. Er ist der, der über allem steht. In der Pandemiezeit bin ich auf ein Bibelwort aus Psalm 75, 4 gestossen, das mich nicht mehr loslässt «Die Erde mag wanken und alle, die darauf wohnen, aber ich halte ihre Säulen fest». Das bringt die Allmacht Gottes doch ziemlich auf den Punkt. Auch über den Schutz der Engel war ich auf meinen vielen Reisen schon oft sehr dankbar.


Was bereitet Dir in der Neuapostolischen Kirche am meisten Sorgen?

Wir leben in einer Zeit, wo oft mehr gefordert als geboten wird. Das macht sich da und dort auch in einer gewissen Anspruchshaltung in unseren Gemeinden sichtbar. Wir sollten in gesundem Masse bescheiden bleiben. Eine starke Gemeinde ist für mich nicht zu messen an der Grösse des Chores, der Anzahl Events oder den äusseren Rahmenbedingungen eines perfekten Kirchengebäudes. Wesentlich ist der Geisteswind, der weht, wie man miteinander umgeht, ob die Erwartung der Wiederkunft Christus im Mittelpunkt steht und wie es um die gegenseitige Versöhnlichkeit steht. Da erlebt man zeitweise schon eine gewisse Härte.

Was mich auch beschäftigt, ist der Trend zur Separierung. Ich lege Wert auf Inklusion, d.h. die Einbindung aller von Jung bis Alt in den einzelnen Gemeinden. Ich bin gegenüber Fusionen von Gemeinden zurückhaltend, ist damit doch immer auch Verlust verbunden. Ein da und dort angepasstes Angebot in einer Gemeinde sowie die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei den Diensten können jedoch sinnvoll sein. Ich habe grossen Respekt vor dem, was unsere Vorgänger über viele Jahrzehnte aufgebaut haben; damit dürfen wir nicht leichtfertig umgehen. Und in meiner Arbeit in den betreuten Ländern sehe ich, wie viel es braucht, bis man nur schon eine kleine Station oder eine Gemeinde aufgebaut hat. Dies erfordert ein Mitwirken aller, und dort liegt auch meine grösste Sorge. Wie bereit ist man noch, seine Gaben in den Dienst des Herrn zu stellen?  


Was bereitet Dir in der Neuapostolischen Kirche am meisten Freude?

Wir sind auf einem grossartigen Weg zu einem einmaligen Ziel. Auch wenn dieser Weg in der Heiligen Schrift als steil, schmal und dornenvoll beschrieben wird, lass ich mir den nicht schlechtreden. Der Weg ist wunderbar, es hat Platz für alle, er ist zielführend, hat grossartige Ruheplätze und bringt uns eines: die Wiederkunft Christi und die Zukunft beim Herrn. Wenn man den Blick auf das Vorhandene lenkt, dann sieht man wirklich viel Tolles in den Gemeinden. Für mich sehr wichtig bleibt der Gottesdienst. Unsere weltweit erkennbare, einfache Liturgie ist eine grosse Stärke und ermöglicht ein Heimatgefühl. Mir ist der Inhalt wichtiger als die Verpackung. Wenn wir nebst der Predigt noch gemeinsam singen können, ein Chor oder Orchester ihre Lieder vortragen oder auch die Orgel erklingt, ist das doch schön. Es muss nie perfekt sein, aber von Herzen kommen. Besonders freue ich mich über unsere Zukunft, auf die wir uns vorbereiten. Ich kann mir keine Predigt vorstellen, in der nicht mindestens einmal auf unser Glaubensziel hingewiesen wird.


Angenommen, Du müsstest einem Nicht-Gläubigen von Deinem Glauben erzählen. Was würdest Du sagen?

Gott hatte alle Menschen vor Augen als er seinen Sohn auf Erden sandte. Jesus Christus - gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit - bleibt Mittelpunkt unseres Glaubens. Er hat sein Opfer gebracht und damit den durch die Sünde verschlossenen Zugang zu Gott für alle Menschen wieder geöffnet. Die Lehre Jesu mit der frohen Botschaft bleibt zentral und die grosse Verheissung seiner Wiederkunft steht noch aus. Sein Versprechen wird sich erfüllen. Christus hat alles weise geordnet und das von ihm gesetzte Apostelamt wirkt bis heute in grosser Kraft.


Worüber hast Du Deine Meinung in den letzten Jahren geändert?


Es ist dies zwar keine Meinungsänderung, doch habe ich dank der Zusammenarbeit mit anderen christlichen Gemeinschaften noch mehr Hochachtung vor unseren Mitchristen erlangt. Ich bin stolz darauf, dass sich unsere Kirche so sehr geöffnet hat, dass auch andere christliche Denominationen uns besser verstehen und uns Anerkennung entgegenbringen. Dabei mussten wir keinen unserer Glaubensgrundsätze über Bord werfen, sondern uns nur damit selber auseinandersetzen und sie sorgfältig beschreiben. Der Katechismus ist dazu ein wirklich grosses Werk. Das habe ich früher unterschätzt.


Worauf freust Du Dich in Deinem neuen Arbeitsbereich und welche speziellen Herausforderungen erkennst Du?

Ich freue mich auf die neuen Begegnungen mit vielen mir noch unbekannten Geschwistern von Jung bis Alt. Auch auf die Besonderheiten jeder Gemeinde freue ich mich. Jede Gemeinde hat ihre Geschichte und ihr eigenes Gepräge. Die Herausforderung wird sein, wieder viele neue Namen kennen zu lernen und sie den richtigen Gesichtern zuzuordnen. Das gehört leider nicht zu meinen Stärken. Nach vier Jahren als Bischof in der Ostschweiz beginne ich wieder ziemlich von vorne und hoffe auf Verständnis bei den Geschwistern.


Wenn ich als Zürcher an Basel denke, dann ….

Um das Klischee zu bedienen: Es wird den Baslern vielleicht helfen, dass ich kein Stadtzürcher bin :). Ich habe keine Berührungsängste und freue mich, die Besonderheiten, Kultur und Geschichte der Stadt Basel kennenzulernen. Und eines ist klar: der Bezirk Basel besteht ja nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus Gemeinden in Baselland und im Kanton Aargau. Ich werde mich wohlfühlen und ich hoffe, die Geschwister auch mit mir.



Lieber Bischof, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und ein herzliches Willkommen im Bezirk Basel!



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Interview: Team Kommunikation Bezirk Basel
Fotos: Privat / NWU